JAN OIDIUM, NORMAN WINTER, GERD KORNMANN, ALEX HORNBACH • Teiser Band 1

(Metal-)Comic & Hörbuch
Den Oidium-Verlag kennen einige vermutlich schon als Haus- und Hofverleger des Wacken Open Air. Dort erschien unter anderem die Festivalhistory, das vom Burgwächter verzapfte "Die Wahrheit über Wacken" und der Comic "Fire & Steel". In den vier Heften wurde auch der großmäulige Alleskönnenwoller Teiser Oitiontiser eingeführt. Nun hat Teiser sein eigenes Refugium bekommen. In den drei schwarzweißen Comicstorys versucht der Burgherr die Welt von seinem künstlerischen Genie zu überzeugen. Ihm zur Seite stehen sein Scherge Beppo Thunderforce, der Wurm Wurm, Igel der Igel, Hans der Vogel und Oggi Ogganacka-Gu, ein Schamane, der nicht nur die ganze Zeit komischen Stuss labert, sondern auch noch reihenweise Hühner blutig dahinopfert. In "Kuba" macht sich die Bande auf den Weg nach Kuba, landet aber konsequenterweise in Ägypten, wo er unverdrossen eine Kunstaustellung organisiert, die in einer Schlacht endet, bei der auch Hühner als Waffen zum Einsatz kommen. In "Kauf bei Teisers!" eröffnet der Großkotz einen Supermarkt und im komplett mit in Reimen gesprochenem Dialogen "Poesie" landet er sogar auf seiner Missionierungstour bei den Fischen.
TEISER, von Verlagschef Jan Oidium geschrieben und Norman Winter gezeichnet ist ein Comic mit flächigen Zeichnungen und flachen Gags. Die Storys sind teilweise völlig wirr und der manchmal chaotische Bildlauf macht den Konsum auch nicht leichter. Richtig dolle ist das nicht, aber wenn Wurm mangels Armen mit der Rübe auf Klavier- und Kassentastaturen einmosht, die Blackmetalheads Loki & Heimdall mitmischen oder der kleine Vogel Hans als Frachtflieger fungiert, dann hat auch TEISER seine Momente. Und damit wir uns hier nicht falsch verstehen: Winter hat einen kompetenten Strich, es hakt nur manchmal, wenn hektische Dynamik das Bild beherrscht. Warum bei seinem Zeichenstil allerdings auf Farbe verzichtet wurde ist mir schleierhaft (für TEISER-Fans: *nichtraff*).
Wem das nicht reicht, für den liegt eine weitere Folge in Form eines Hörbuchs vor. Um das aus dem Buch lösen, muss man leider fast das Backcover fetzen. Die Geschichte in dem 30minütigen Hörspiel ist um einiges metalorientierter, als die Comics. TEISER organisiert das von Millionen erwartete Planet King – Konzert (den Sänger mimt Martin Kesici!) und befürchtet einen Sabotageakt seines Erzfeindes Dark Even McBaron.
Natürlich ist das Ganze von charmanter Amateurhaftigkeit, aber eigentlich ist das in der heutigen perfektionsfanatischen Zeit sehr erfrischend. Ein echter Punktabzug geht aber ganz klar an das abrupte Ende. So was macht man nicht. Und der "Hans, der Vogel"-Song ist auch nur für Masochisten mehr als einmal genießbar.
Unterm Strich bleibt ein okayer erster Versuch. In Zukunft sollten sich Jan und Co. darauf konzentrieren eine(!) Story zu schreiben und zu zeichnen, die dann aber vernünftig. Auch etwas mehr Mut zu anarchischem Humor (Peter Bagges' "Hate" oder alte "Werner" könnten da Pate stehen) sollte möglich sein. Das Ganze könnte man dann als Heft rausbringen, ergänzt um Onepager und Toons mit Loki & Heimdall oder Hans. Denn wenn 9,90 € nur ein Einführungspreis sein soll, dann fragt sich Hörspiel und Albumformat hin oder her, wer TEISER regelmäßig kaufen soll.
Januar 2006
Metal OWL - 6. Nov, 21:25