Epic Hollywoodmetal
RHAPSODY heißen jetzt aus markenrechtlichen Gründen RHAPSODY OF FIRE. Aha. Ansonsten bleibt alles beim Alten, auch das Vokabular: "Die Flamme des Drachen wird nun heller brennen als je zuvor", sagt zumindest Gitarrist und Songwriter Luca Turilli auf der "legendary website" der Band. Thematisch führt "Triumph or agony" die Geschichte des Vorgängeralbums "Symphony of enchanted lands Pt.II – The dark secret" weiter, nur das diesmal dankenswerterweise auf einen Bandwurmtitel verzichtet wurde. Auch Christopher Lee ist wieder zu Gast. Schade nur, das es "Triumph or agony" an, nunja ... an Feuer mangelt.
Wie von den Italienern gewohnt gibt es Breitwandmetal der klassischsten Sorte, garniert mit einer Fantasystory und etwa zehn Kilo Pathos. In bewährter Manier schmalzt und schmettert und schluchzt sich Frontmann Fabio Lione durch die elf Songs des neuen Albums. Alles könnte für den RHAPSODY-Fan in schönster Ordnung sein, wenn einen nach dem zweiten oder dritten Durchlauf nicht die Frage beschleichen würde, warum man sich "Triumph or agony" überhaupt zulegen sollte, denn es wird Stagnation auf hohem Niveau geboten. Kaum ein Riff oder ein Song, den man so nicht schon mehrfach von dem Quintett gehört hätte.
Neben der üblichen Überladenheit nervt einfach die Tatsache, das die gesamte Platte eher wie eine Pflichtübung anmutet und es nicht eine Spur von Frische und Hunger gibt. Gäbe es Supermärkte für Wagnerianer, RHAPSODY ON FIRE würden das Hintergrundgedudel dazu liefern. Wenn man richtig auf die Kacke hauen wollte, könnte man "Triumph or agony" Seelenlosigkeit vorwerfen.
Dazu kommt, das ROF immer mehr mit der Geschichte verzetteln, der vermutlich sowieso kein Aas wirklich folgt. Dem Verlauf der Geschichte wird der musikalische Flow geopfert. Quasi ein Schuss, der nach hinten losgeht. Was als Gimmick begann stört inzwischen die eigentliche Idee: Speedmetal mit Orchesterbegleitung.
Technisch ist das natürlich in bewährter Tour recht Güteklasse A, auch wenn ein Großteil der Metalgemeinde die Band weiter hassen wird wie eine Sahnetorte im Gesicht. Aber den geneigte Fan erwartet nichts, was er nicht schon kennt, es gelingt nicht, dem Universum RHAPSODY OF FIRE einen neuen Aspekt hinzu zu fügen. Schade eigentlich. "Triumph or Agony"? Ich würde sagen: "or".
September 2006
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Metal OWL - 18. Dez, 17:55