STONEMAN • sex.drugs.murder

Industrial Gothicrock
Glamrock und Industrial Gothic haben etwas gemeinsam: obwohl sie gerne inhaltlich für Sex, Drugs und Rock’n’Roll stehen, sind sie oft von Anfang an so dermassen durchgestylt, das ein Popstars – Casting wie eine Punkrockparty wirkt. Von MÖTLEY CRÜE bis NEGATIVE, von MARILYN MANSON bis DEATHSTARS, immer wird von Anfang an eine Corporated Identity mit der Musik gleich mitgeliefert, die einem das Gefühl gibt, das schon im ersten Proberaumkeller ein Styleberater und ein Manager gleich mit dabei waren. STONEMAN machen da keinen großen Unterschied. Wie vom Reißbrett scheint die optische und akustische Mischung aus Glam (Sänger Mikki Chixx sollte für das am dämlichsten kopierte Pseudonym verdroschen werden) und Düsterrock.
Das "sex.drugs.murder" trotzdem eine ganz gute Platte geworden ist, liegt daran, das es trotz aller Kalkuliertheit und einem unbestreitbaren Händchen für Popappeal auch Momente gibt, in denen STONEMAN durchaus mal gepflegt auf die (schwarze) Kacke hauen. So bei "Schlaf mein Kind", das auch durchaus in der Frühphase von TYPE O NEGATIVE hätte entstehen können, den immer wieder auftauchenden Grunts, dem MINISTRY – Soundalike "Atomic holocaust" oder dem finsteren "Stoneman", das mit Screams, die von Dani Filth stammen könnten, garniert ist. Düsterheimer werden sich am elektronischen Anteil der Songs ergötzen und wer tanzen will hat bei der ersten Single "Devil in a gucci dress", einem echten Ohrwurm oder der geilen "Cocaine" – Coverversion ausreichend Gelegenheit dazu.
Für Traditionalisten issas ‘türlich nix, aber wer sich vom aufdringlichen Image der Band nicht abschrecken lässt, dem präsentiert sich ein abwechslungsreiches Debüt, das perfekt in die kommenden Herbst- und Wintermonate passt.
Oktober 2006
Metal OWL - 9. Dez, 14:29