
Thrash
HIRAX sind eine der dienstälteren Thrashmetalbands. Trotz guter Songs haben es die Herren jedoch nie geschafft auch nur annähernd in die Regionen ihrer Kollegen EXODUS, TESTAMENT, FLOTSAM & JETSAM oder gar METALLICA oder MEGADETH vorzudringen. Das hat den Vorteil, das sich HIRAX treu geblieben sind und man Experimente tunlichst vermeidet. Zudem ist es doch immer wieder schön, eine erfahrene Band zu haben, die trotzdem noch so richtig „underground“ ist. Und dieses Adjektiv muss man auch im Hinterkopf behalten, wenn man vorliegende erste DVD des Quintetts in den Player schiebt.
Inhaltlich muss man nämlich sagen, das HIRAX die Möglichkeiten des Mediums DVD entweder nicht kennen oder nicht ausnutzen wollen. Konzert, ein paar Bonustracks von diversen Festivals, Interview, Galerie, fertig ist der Lack. So was kann man natürlich auch auf einer VHS – Kassette haben (Ihr wisst schon, diese Plastikklötze, wo drinnen so ein Band ist und wenn man das rausgezogen hat, gab’s von Papi aufs Maul, weil man seinen Lieblingsporno geschrottet hat. Video halt.).
Den Hauptteil nimmt der Mitschnitt des HIRAX – Gigs beim „Minneapolis Mayhem Festival“ im Mai 2005 ein. Augenscheinlich ist der Club, in dem das stattfindet ein recht überschaubarer, aber wie gesagt: Underground und so. Gleich zu Anfang macht sich das Hauptproblem des Filmmaterials bemerkbar: es ist dunkel. Sehr dunkel. Stellenweise zappenduster. Immer wieder gibt es Sequenzen in denen gar nichts, ein paar Latüchten oder allenfalls huschende Schatten erkennbar sind. Dann kann man zwar schön Loriot spielen („Wo laufen sie denn?“), ärgerlich ist es trotzdem. Wenn man schon einen Mitschnitt plant, dann sollte man schon für eine Grundausleuchtung auch in den Pausen sorgen.
HIRAX selbst geben von Anfang an Gas, extrem kurze und „normal lange“ Songs wechseln sich angenehm ab und die ganze Zeit gibt man tempomäßig Vollstoff. Der Sound geht für einen Clubgig in Ordnung, nur der Bass ist die ganze Zeit über echt scheiße abgemischt. Das ganze hört sich an, als wäre die Box im Arsch, was mehr nervt, als die eigentlich üblichen Kreischtöne, die man sonst (un)gern bei Thrashbands hat. A propos Gitarren: die hätten ruhig lauter sein können, kommen aber dafür sauber rüber. Sänger Katon ist gut bei Stimme und sorgt für Stimmung. Er rennt rum, heizt an und schäkert mit dem Publikum. Der Typ liebt seine Musik.
Was ein bisschen komisch ist, sind die Titeleinblendungen bei allen Songs, die man leider auch nicht ausschalten kann. Das hat irgendwie Rockpalast – „Charme“. Zumal man die Trackliste im Booklet hat und Katon die Songs fast jedes Mal ansagt. Na ja. Und was soll die beknackte Einblendung vom „Not dead yet“ – Plattencover?
Nach fünfzehn Tracks und einer Spielzeit von nicht mal einer Stunde ist dann auch schon Feierabend.
Das Bonusmaterial wurde auf diversen Festivals aufgenommen, vom Clubgig beim BANG YOUR HEAD – Warm up bis zu den großen Bühnen ist alles dabei. Natürlich sind die verschiedenen Aufnahmen Qualitätsschwankungen unterworfen, aber richtig kacke ist kein einziger Mitschnitt. Teilweise ist es besser als der Hauptteil. Dabei fallen vor allem zwei Dinge auf: HIRAX fühlen sich definitiv vor kleinem Publikum besser aufgehoben und es ist schon sehr geil zu beobachten, wie sie vor geschätzten dreißig(!) Leuten auf dem „Tidal Wave Fest“ trotzdem Vollgas geben. Weiterhin gibt es zwei Galerien, die allerdings ziemlich arm ausfallen, braucht keiner, eine okayen Promoclip (ebenfalls Liveaufnahmen), eine Diskographie, bei der einen dann doch die langen Ladezeiten beim Blättern nerven und ein recht ausführliches Interview. Das man keine Untertitel einblenden kann ist ein weiterer Makel, zumal Hintergrundgeräusche das Gesprochene teilweise schwer verständlich machen. Warum allerdings die DVD nach jedem Bonusclip ausgeht (zumindest am PC), anstatt aufs Hauptmenü zurück zu springen bleibt mir dann doch ein Rätsel. Nach fünf Wiederholungen ging mir das Intro dann doch mächtig auf den Zeiger.
Wer einen High End – Konzertfilm erwartet sollte von „Trash ’til death“ die Finger lassen. Die DVD ist minimalistisch und underground, für Fans geht das okay. Das passt zu HIRAX und letzten Endes ist das Klassenziel erreicht: der Spirit des Thrash wird eingefangen.
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Metal OWL - 6. Nov, 21:55